Die Frage, die sich jedes zweite KMU stellt
Sie brauchen eine Website. Die Werbung verspricht: «Erstellen Sie Ihre Homepage in 30 Minuten — kostenlos!» Gleichzeitig offeriert die Agentur CHF 5'000 bis 9'000. Beides kann nicht stimmen — und tut es auch nicht.
Wir verdienen unser Geld mit Agentur-Websites. Trotzdem sagen wir in jedem dritten Erstgespräch: «Nehmen Sie einen Baukasten, eine Agentur lohnt sich für Sie noch nicht.» Dieser Artikel ist genau diese Beratung — schriftlich:
- Die echten Gesamtkosten beider Varianten (inkl. Ihrer Eigenzeit)
- Eine Entscheidungs-Matrix: 6 Fragen, die die Antwort geben
- Die 5 versteckten DIY-Kosten, die erst nach 6 Monaten auffallen
- Wann der Wechsel vom Baukasten zur Agentur sinnvoll ist
1. Die echten Kosten — Baukasten vs. Agentur
Der Lizenzpreis von Wix oder Squarespace ist nicht der Preis der Website. Der grösste Posten fehlt auf jeder Baukasten-Rechnung: Ihre Zeit.
Was «selber machen» wirklich kostet
Eine ordentliche 5-Seiten-Website braucht auch im Baukasten: Struktur planen, Texte schreiben, Bilder suchen und zuschneiden, Design anpassen, Mobile testen, Formulare einrichten, Domain und E-Mail verbinden, Datenschutzerklärung erstellen. Realistisch: 40-80 Stunden — verteilt über Wochenenden und Abende.
| Posten | Baukasten (Wix, Squarespace) | Webagentur |
|---|
| Lizenz / Erstellung | CHF 200 - 400 / Jahr | CHF 2’500 - 9’000 einmalig |
| Ihre Eigenzeit (Aufbau) | 40 - 80 Stunden | 5 - 10 Stunden |
| Eigenzeit in CHF (à CHF 100) | CHF 4’000 - 8’000 | CHF 500 - 1’000 |
| SEO-Foundation | nicht enthalten | enthalten |
| DSG-Datenschutzerklärung (CH) | selbst erstellen | enthalten |
| Design-Qualität | Template-Look | massgeschneidert |
| Real, Jahr 1 | CHF 4’200 - 8’400 | CHF 3’000 - 10’000 |
Rechnen Sie Ihre Stunde als Unternehmer konservativ mit CHF 100, kostet die «günstige» DIY-Website im ersten Jahr real CHF 4'200-8'400 — und sieht danach trotzdem nach Template aus. Die Agentur-Website kostet ähnlich viel, verbraucht aber 5-10 Stunden Ihrer Zeit statt 40-80, und liefert SEO-Foundation und sauberes Design mit.
Was Agenturen in der Schweiz konkret verrechnen, haben wir hier detailliert aufgeschlüsselt: Webagentur Schweiz Preise 2026.
2. Die Entscheidungs-Matrix — 6 Fragen
Beantworten Sie diese 6 Fragen ehrlich. Überwiegen die Antworten links, nehmen Sie einen Baukasten. Überwiegen sie rechts, lohnt sich die Agentur:
| Frage | → Baukasten | → Agentur |
|---|
| Woher kommen Ihre Kunden? | Empfehlungen, Stammkunden | Sollen über Google kommen |
| Was soll die Website tun? | Existenz bestätigen («gibt es die noch?») | Anfragen generieren, verkaufen |
| Wie viele Mitarbeitende? | 1 (Einzelunternehmen) | 2+ mit Lohnkosten |
| Ihre Konkurrenz online? | Auch nicht professionell | Professionelle Auftritte |
| Verfügbare Eigenzeit? | 40-80 h und Freude daran | Keine — Kerngeschäft geht vor |
| Budget-Realität? | Unter CHF 2’000 gesamt | CHF 3’000+ als Investition ok |
Kurz gesagt
Baukasten, wenn die Website eine digitale Visitenkarte ist: Kunden kommen über Empfehlungen, die Website bestätigt nur, dass es Sie gibt.
Agentur, wenn die Website Kunden bringen soll: Sie wollen über Google gefunden werden, Anfragen generieren oder online verkaufen. Dann ist die Website kein Kostenpunkt, sondern ein Vertriebskanal — und ein Vertriebskanal, der nichts einbringt, ist die teuerste Variante von allen.
3. Die 5 versteckten DIY-Kosten, die erst nach 6 Monaten auffallen
1. Unsichtbarkeit bei Google
Das häufigste Erwachen: Die Website ist seit 6 Monaten online, aber bei «Physiotherapie Langenthal» erscheint sie auf Seite 4. Baukasten-Seiten werden indexiert — aber ohne strukturierte Daten, Performance-Optimierung, gezielte Seitenarchitektur und Content-Strategie ranken sie bei umkämpften lokalen Keywords praktisch nie vorne.
2. DSG-Compliance fehlt
Seit September 2023 gilt das neue Schweizer Datenschutzgesetz. Eine Datenschutzerklärung aus dem deutschen Generator (DSGVO) deckt das DSG nicht sauber ab. Und: Wix-Formulardaten landen auf US-Servern — das müssen Sie deklarieren. Bussen treffen bei DSG-Verstössen die verantwortliche Person privat, bis CHF 250'000.
3. E-Mail-Adressen und Zustellbarkeit
info@ihrefirma.ch statt ihrefirma@gmail.com — klingt trivial, braucht aber korrekt konfigurierte DNS-Einträge (SPF, DKIM, DMARC). Falsch konfiguriert landen Ihre Offerten im Spam-Ordner Ihrer Kunden. Das merkt man erst, wenn man sich wundert, warum niemand antwortet.
4. Der Template-Look kostet Vertrauen
Ihre Kunden können nicht benennen, warum eine Website «billig» wirkt — aber sie spüren es in den ersten 3 Sekunden. Bei einem Treuhänder oder Arzt, wo Vertrauen das Produkt ist, kostet das real Anfragen. Wie der Unterschied aussieht, zeigen unsere Kundenprojekte.
5. Niemand pflegt die Seite
Nach dem Launch-Enthusiasmus passiert: nichts. Öffnungszeiten stimmen nicht mehr, das Team-Foto zeigt Ex-Mitarbeitende, der «News»-Bereich endet 2024. Eine veraltete Website ist schlimmer als keine — sie signalisiert: Hier kümmert sich niemand.
4. Wann der Wechsel vom Baukasten zur Agentur sinnvoll ist
Der Baukasten war nicht falsch — er war die richtige erste Stufe. Wechseln Sie, wenn:
- Sie planbar neue Kunden über die Website gewinnen wollen (nicht nur bestätigt werden)
- Ihre Konkurrenz bei Google vor Ihnen steht und Sie das messbar Aufträge kostet
- Sie Funktionen brauchen, die der Baukasten nicht kann: Konfigurator, Kundenportal, Buchungssystem, ERP-Anbindung
- Sie expandieren und Mehrsprachigkeit (DE/FR/IT) sauber brauchen
Wichtig für den Wechsel: Es ist ein Neubau, keine Migration. Texte und Bilder lassen sich übernehmen, Design und Technik nicht. Wenn Sie heute mit dem Baukasten starten und den Wechsel offenhalten wollen: Verwenden Sie von Anfang an Ihre eigene Domain — nicht die Wix-Subdomain. Dann nimmt die neue Website das aufgebaute Google-Vertrauen mit.
5. Fazit — die ehrliche Empfehlung
| Ihre Situation | Empfehlung |
|---|
| Einzelunternehmen, Kunden via Empfehlung | Baukasten — sparen Sie das Agentur-Geld |
| KMU, Website soll Anfragen bringen | Agentur — sonst zahlen Sie doppelt: erst Baukasten, dann doch Agentur |
| Shop, Portal, Konfigurator, Buchungen | Agentur — Baukästen stossen hier an harte Grenzen |
| Unter CHF 2’000 Budget, Zeit vorhanden | Baukasten mit eigener Domain — Wechsel bleibt offen |
Und wenn Sie unsicher sind: Fragen Sie eine Agentur, die Ihnen auch sagt, wenn sich eine Agentur nicht lohnt. Daran erkennen Sie übrigens auch eine gute.
Häufige Fragen
Was kostet eine selbst gemachte Webseite wirklich?
Lizenz CHF 200-400/Jahr plus 40-80 Stunden Eigenzeit. Bei CHF 100 Unternehmer-Stundenwert: real CHF 4'200-8'400 im ersten Jahr — oft mehr als die Agentur gekostet hätte.
Wann reicht ein Homepage-Baukasten völlig aus?
Einzelunternehmen, Kunden kommen über Empfehlungen, die Website ist nur digitale Visitenkarte, Sie haben Freude am Selbermachen: Dann ist Wix oder Squarespace völlig legitim.
Wird eine Wix-Seite bei Google gefunden?
Für die Suche nach Ihrem Firmennamen: ja. Für umkämpfte Keywords wie «Schreiner Region Bern»: praktisch nie vorne — dafür fehlen strukturierte Daten, Performance und Content-Strategie.
Kann ich später vom Baukasten zur Agentur wechseln?
Ja — als Neubau, nicht als Migration. Eigene Domain von Anfang an verwenden, dann bleibt das Google-Ranking-Potenzial erhalten.
Ist eine Baukasten-Webseite DSG-konform?
Nicht automatisch. Schweizer Datenschutzerklärung, Cookie-Banner und Datenfluss-Deklaration (z.B. US-Server bei Wix) müssen Sie selbst sicherstellen.